Secret of Mana HD Remake

Secret of Mana_20180215000800

Secret of Mana – ein Spiel, das sich 25 Jahre nach seinem Erscheinen weiterhin einer treuen Fangemeinde erfreut. Ein Spiel, so alt, dass Square-Enix bei seinem Erscheinen noch „Squaresoft“ hieß. Ein Spiel, das absoluter Must-Have-Titel für Nintendos damals aktuellste Konsole, das Super NES, war. Ein Vierteljahrhundert nach seiner Erstveröffentlichung erhalten wir nun ein rundum erneuertes Remake. Was erwartet uns diesmal im Lande von Mana?

Geschichte

Natürlich bleibt das Remake der Originalstory treu. Auch diesmal steuert ihr so wieder einen Jungen, im Original Randi, der bei einem Ausflug am verbotenen Wasserfall ein Schwert aus einem Stein zieht. Dabei befreit er die mit dem Schwert durch ein magisches Siegel gebannten Monster und stürzt die Welt ins Unglück. Hoppala… Nach einem kurzen Kampf mit einer überdimensionierten Gottesanbeterin wird er flugs seines Heimatdorfes verwiesen und muss von nun an für sich selbst sorgen, auf einer Mission, die Monster wieder im Schwert zu bannen und den Frieden in der Welt wiederherzustellen. Nichts leichter als das, also auf geht’s!

Auf euren Reisen trefft ihr rasch auf ein Mädchen (Primm), welches sich euch (über kurz oder lang) anschließt, und eine Elfe (ehemals Koboldin) namens Popoi (sogar passend zum Namen spinatgrün gekleidet …), die eure kleine Kämpfertruppe durch magische Fähigkeiten erweitern und ohne die ihr im weiteren Spielverlauf völlig chancenlos wärt.

Die drei Hauptcharaktere lassen sich durch euch zum Glück, wie schon im Original, mit eigenen Namen versehen. Bei den Nebencharakteren habt ihr diesen „Luxus“ natürlich nicht, aber dazu später mehr …

Secret of Mana_20180215013958

(Un-) Wissen

Ursprünglich wurde Secret of Mana mit einem etwa 70-Seiten-starken „Spieleberater“ ausgeliefert – einem gebundenen Heft, welches euch mit Karten, Tipps und Tricks zum Spielverlauf versorgt hatte. Diesem Heft war es auch zu verdanken, dass einige der schwierigeren Passagen mit etwas Training zu bewältigen waren, ohne dass ihr ziellos suchend von einem Ende der Karte zum anderen wuseln musstet (das hätte wohl auch das erste Zelda oder Castlevania II – Simon’s Quest gut vertragen, zumindest für jeden, der nicht das japanische Original spielen konnte …)

Wie es der Lauf der Zeit nunmal will, werden Spiele heute eher ohne große Druckwerke ausgeliefert. Spannend also, wie die Entwickler bzw. Übersetzer mit dieser Diskrepanz umgegangen sind.
Zum einen wurde – durchaus erwartet – die gesamte deutsche Synchronisation neu gestaltet. Die ursprünglich unter der Leitung von Nintendo-Übersetzer Claude M. Moyse verfassten Dialogzeilen sind nun teilweise deutlich informativer als es Sätze wie „Ommmm – Ich bin eins mit dem Kosmos!“ früher waren.

Zum anderen wurden dabei aber auch leider fast alle Namen – seien es Orte, Gegner oder Protagonisten – verändert. Dass diese damit der englischen Version und wohl auch dem japanischen Original deutlich näher sein dürften, hilft wenig, wenn ihr die alten Bezeichnungen im Schlaf kanntet. Im Remake werdet ihr von Gemma über Gaias Nabel zu Lady Rusanka geschickt, wo euch in der deutschen SNES Version ein gewisser Victor via Elfenteich zu Aquaria sandte. Währenddessen kämpft ihr euch durch Mümmler statt durch Pogopuschel. Das ist wohl Geschmackssache, empfand ich als großer Fan des Originals aber als äußerst gewöhnungsbedürftig.

Bisweilen wart ihr aber als Spieler des deutschsprachigen SNES-Releases auch immer wieder auf Trial-and-Error oder den genannten Spieleberater (bzw. später das Internet) angewiesen, um manche Passagen frustfrei zu überstehen. Dazu gehörte neben dem weiterhin notwendigen Aufleveln bestimmter Zaubergeister vor einem Kampf auch die Beschaffung von Informationen, etwa wie zum Teufel ihr ein (optionales) Goodie wie den Mogrigürtel (Zapplergürtel) finden könnt (#dingelchen – wie auch immer das Teil jetzt heißt). Manche Passagen wurde durch die Neuübersetzung ein wenig klarer formuliert. Dennoch kann von Seiten dieses Reviewers, der mit der SNES-Version aufgewachsen ist, nicht ganz geleugnet werden, das damit auch der amüsante Charme der deutschen Originalversion durch eine veränderte, vielleicht etwas erwachsenere Erzählweise ersetzt wird. Und trotzdem werde ich weiterhin von Poseidon-Kröten sprechen!

Vielleicht heißt er ja gar nicht Gemma und Rusalka spricht nur mit österreichischem Akzent?!

Vielleicht heißt er ja gar nicht Gemma und Rusalka spricht nur mit österreichischem Akzent?!

Aus alt mach nicht-ganz-so-alt

Als Secret of Mana im Jahr 1993 erschien, war das mit dem Spiel eingeführte Ringmenü-System ebenso revolutionär wie die (heute noch seltene) Multiplayer-Unterstützung. Diese Elemente wurden nahezu unverändert ins Remake übernommen. So könnt ihr also auch weiterhin mit bis zu zwei Freunden gleichzeitig in den Kampf ziehen.

Eine Änderung im Menü erschließt sich mir allerdings gar nicht: Blieb in der alten Version der zuletzt benutzte Zaubergeist vorausgewählt, so springt der Cursor im Remake bei jedem erneuten Aufrufen des Zaubermenüs wieder zu Rocky – verzeiht dem Gnom. Abhilfe schafft jedoch teilweise die neu eingeführte Möglichkeit, Waffen oder Zauber auf R1/L1 zu legen. Während diese Option zwar wirklich sehr praktisch ist, ist die genannte Änderung lästig und stellt eine Verlangsamung des Spielflusses dar.

Auf optischer wie auch musikalischer Ebene wurde das Spiel selbstverständlich völlig runderneuert. Die neuen 3D-Modelle – sowohl von Charakteren, wie auch von der Umgebung – sind den pixeligen Sprites von damals aber im Großen und Ganzen ausgesprochen gut nachempfunden und vermitteln auf wunderbare Weise das ursprüngliche, farbenfrohe Mana-Feeling. Dennoch kann nicht geleugnet werden, dass die Grafik bereits jetzt, bei Erscheinen des Games, auch ein wenig altmodisch wirkt. Ja, das gesamte Spiel wurde in 3D umgesetzt und es darf nicht vergessen werden, dass ihr beim Kauf der PlayStation 4 Variante auch eine praktisch identische Version für die PS-Vita erhaltet, aber die Texturen lassen am großen Screen zu wünschen übrig und der Polygon-Count ist für ein im Jahr 2018 erschienenes Spiel erschreckend niedrig.
Außerdem wurde der Mode7-Effekt, der in der SNES-Variante bei Reisen per Kanonenflug einen Pseudo-3D Überblick über die Landschaft gab, ersatzlos gestrichen. Im Remake wird der Flug durch eine Ab- und wieder Aufblende “abgekürzt”. Schade.
Sobald ihr Flämmchen (vormals Lufti) erhalten habt, könnt ihr euch natürlich auch selbst wieder in die Lüfte begeben. Die Karte wurde hier im Vergleich zum Original etwas verkleinert, was die Übersicht erhöht und die Flugzeiten reduziert. Die eingeblendeten Ortsnamen helfen auch vor unbeabsichtigten Falschlandungen.

Durch manche der Änderungen ertappe ich mich aber regelmäßig dabei, gerne zwischen den Grafik-Stilen wechseln zu wollen, wie es beispielsweise bei den Monkey Island Remakes für Mobilplattformen möglich ist. Eine kleine Abhilfe für diesen Wunsch schafft die optional einzublendende Karte, auf der ihr eure Position sehen könnt. Diese ist nämlich exakt im Design des Originals gehalten. Dennoch stellt sich die Frage, ob es nicht klüger gewesen wäre, entweder eine separate Low-Poly-Version alleine für die Vita zu gestalten oder aufgrund der niedrigen Verbreitung dieser Hardware sogar gänzlich auf eine Veröffentlichung auf dieser Plattform zu verzichten und stattdessen die PS4-/PC-Versionen in dem Glanz zu gestalten, den das Spiel verdient hätte.

Secret of Mana_20180216184859

Ohrwürmer und Misstöne

Die schon 1993 völlig zurecht hochgelobten Musikstücke von Hiroki Kikuta glänzen auch in der neuen Abmischung und schwingen wunderbar durch nostalgisch-gekitzelte Gehörgänge. Obwohl ich den Start des Spiels kaum erwarten konnte, musste ich mir das Intro einfach in voller Länge zu Gemüte führen.
Bei der Musik gibt es im Gegensatz zur Grafik sogar die Möglichkeit, statt des neuen Soundtracks die originalen Stücke zu hören.
Zusätzlich wurde das Spiel mit englischem und japanischem Voice-Acting versehen. Leider lassen beide Versionen qualitativ stark zu wünschen übrig und stellen somit eine weitere durchaus verzichtbare Veränderung dar.

Störend ist auch, dass sich die Münder der Charaktere bei den neu hinzugekommenen Cutscenes überhaupt nicht bewegen. Das wäre doch drin gewesen!
Neben diesen kleinen Cutscenes wurde das Spiel auch durch einige neue Dialoge erweitert, die immer dann eingefügt werden (sollten), wenn ihr in einem Gasthaus übernachtet, nachdem ihr einen weiteren Teil der Story abgeschlossen habt. Manche dieser Dialoge sind gelungen und pointiert, andere wiederum äußerst verzichtbar – und viele davon poppen auch erst auf, nachdem der entsprechende Teil der Story längst hinter euch liegt.

An der KI der Gegner wie auch der eigenen Party wurde im Vergleich zum Original gar nichts geändert, sodass es auch im vorliegenden Remake weiterhin nötig ist, immer wieder mal zurückzulaufen, um hängen gebliebene Teammitglieder aufzusammeln. Diesmal aber wird wenigstens nicht die ganze Partie aufgehalten, sodass ihr auch einfach weiterziehen könnt, wenn ihr auf die Verstärkung durch eure KameradInnen gerade verzichten könnt. Praktischerweise treffen deren Zauber auch dann, wenn sie selbst nicht im Bild sind.

Die Szene wirkt mit gesprochenem Dialog, aber unbewegten Mündern ein wenig seltsam...

Die Szene wirkt mit gesprochenem Dialog, aber unbewegten Mündern, ein wenig seltsam …

Leben in Balance

Ein weiterer Aspekt, der gegenüber dem Original angepasst wurde, ist das bisher absolut unverzichtbare, stellenweise repetitive Level-Grinding. So ist es zwar immer noch von Vorteil, eure Zaubergeister (vor allem die neuesten Zugänge) rasch auf die Maximalstufe zu bringen, ihr müsst das aber nicht ganz so rasant tun, wie im Original, denn – und das stellt meinen größten Kritikpunkte an dem Remake dar – das Secret of Mana HD Remake hat einen deutlich niedrigeren Schwierigkeitsgrad als bei seinem ersten Erscheinen: War es im Original noch unverzichtbar, sich durch das Hexenwäldchen (Zauberwald) auf- und abzukämpfen, so konnte ich diesmal ohne gröbere Probleme jeden Endboss beim ersten Versuch bezwingen. Natürlich greife ich dabei auf Taktiken zurück, die mir beim mehrfachen Durchspielen des Originals praktisch in Fleisch und Blut übergegangen sind; trotzdem ist mir des Öfteren aufgefallen, dass die Zauber scheinbar mehr Schaden anrichten, meine Mitstreiter mehr aushalten und Gegner im Regelfall kein Problem darstellen. Ich vermute, dass die Anzahl der für einen Levelanstieg benötigten XP angepasst wurde, wodurch ihr schneller levelt.
Wenn ihr nach Möglichkeit alle Strecken zu Fuß bewältigt und dabei einfach jeden Gegner besiegt, der euren Weg kreuzt, werdet ihr zügig durch das Game kommen. Im letzten Drittel des Spiels (versunkener Kontinent) steigt der Schwierigkeitsgrad jedoch immerhin merkbar an.

Die Zaubergesiter wurden nicht nur im Namen verändert. Die optische Gestaltung des Wind-Elements ähnelt nun seiner Repräsentation im Ringmenü leider gar nicht mehr.

Die Zaubergeister wurden nicht nur im Namen verändert. Die optische Gestaltung des Wind-Elements ähnelt nun seiner Repräsentation im Ringmenü leider gar nicht mehr.

Aaaaand it’s gone!

Ein wirklich störender Faktor ist leider, dass mir das Spiel etwa einmal alle anderthalb Stunden abstürzt. Natürlich ist generell empfehlenswert, bei jeder Gelegenheit zu speichern, und zusätzlich wurde im Remake auch ein neues Autosave-Feature eingeführt,  welches mich bisher noch jedes Mal vor Forschrittsverlust bewahrt hat, dennoch sollte das nicht der Sinn und Zweck von Autosaves sein …
Störend ist auch, dass ihr nach dem finalen Endscreen nicht einfach weiterspielen könnt, sondern euren alten Save nutzen müsst. Das heißt auch, das alle in der Mana-Festung am Weg zum Endboss gesammelten Gegenstände verloren gehen. Neben zwei ultra-seltenen Rüstungsteilen habe ich auf diese Weise auch einen neunten Waffen-Orb verloren, all das konnte ich trotz intensivem Grinding bisher nicht erneut erhalten , was den Erhalt entsprechender Trophies erschwert.

Wenige Sekunden nach diesem Dialog ist mir das Spiel plötzlich abgestürzt...

Wenige Sekunden nach diesem Dialog ist mir das Spiel plötzlich abgestürzt …

Die Macht des Geldes Mana

Solltet ihr euch für die Sony-Variante des Remakes entscheiden, erhaltet ihr für knapp 40 Euro mit Secret of Mana HD nicht eine, sondern gleich zwei Versionen (PS4 und Vita) eines zurecht viel gelobten Klassikers. Bei der Steam-Variante gibt’s um dasselbe Geld nur eine Lizenz.

Aufgrund der angesprochenen technischen Mängel und der Tatsache, dass die vorgenommenen Änderungen das Spiel nicht wesentlich bereichern, darf aber angemerkt werden, dass ihr für bloß 80 Euro auch einen SNES Mini euer Eigen nennen könntet, welcher neben dem Spiel in seiner Originalversion auch rund 20 weitere Game-Klassiker beinhaltet. In jedem Fall dürfte sich Secret of Mana für Square-Enix auch im Jahr 2018 durchaus rentieren.

Offen bleibt, ob das Rubindiadem, ein legendärer Gegenstand, um den sich zahllose Gerüchte ranken und der allem Anschein nach in letzter Sekunde aus dem Originalrelease gestrichen wurde, im Remake vielleicht doch noch irgendwo vorkommt. If so, shut up and take my money!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>