Bubsy – The Woolies Strike Back

Bubsy ist wieder da! Das Comeback des 90er-Jahre Maskottchens, das niemand erwartet hat – aber ob es jemand braucht?

Nostalgie-Welle

Es gab eine Zeit, da war es praktisch obligatorisch, dass Videospiele-Entwickler ein “herziges” Maskottchen aufweisen. Nach Mario und Sonic folgten unter anderem Cool Spot, Spyro, Rayman und eben auch Bubsy. Doch schon das erste Game, das im Jahr 1993 unter dem Titel Bubsy – Claws Encounters of the Furred Kind erschien, war nicht der von Entwickler Accolade erwartete Must-have-Titel. Dennoch entschloss man sich dazu, nur ein Jahr später einen halbherzigen Nachfolger hinterher zu schießen (den nicht mal die eigenen Entwickler mochten!), der am Konzept praktisch nichts änderte und auch die Baustellen aus Teil 1 mehr oder weniger direkt übernahm. Nach einem kurzen (und desaströsen) Ausflug in die Welt der 3D-Jump’n’Runs wurde es schließlich still um Accolade’s gefallenes Maskottchen – bis nun aus heiterem Himmel und völlig unerwartet im Jahr 2017 plötzlich mit Bubsy – The Woolies Strike Back ein 2,5D-Ableger erscheint und für einen Reboot des Franchises sorgen solle. Na, wenn das mal gut geht …

Bubsy dies

“What could POSSIBLY go wrong?” (Right about everything…)

Ein alter Hund lernt keine neuen Tricks – ein Rotluchs schon?

Am Grundprinzip von Bubsy hat sich nichts geändert: Der Rotluchs (im Original “bobcat”) bewegt sich von links nach rechts durch recht nett gestaltete Levels und versucht dabei, den zahlreichen Gegnern auszuweichen oder sie durch gezielte Sprünge auszuschalten. Zusätzlich zum Standard-Move-Set eines jeden 2D-Jump’n’Runs steht Bubsy auch, wie schon früher, sein Gleitflug zur Verfügung, mit dem er über größere Distanzen hinweg schweben kann. Neu in der Serie gibt es einen Kletter-Move, mit dem ihr Kratzbaum-ähnliche Wände emporklettern dürft, und auch eine frontale Kratzattacke, mit der ihr Gegner angreifen und brüchige Wände durchbrechen könnt. An sich eine gute Ausgangslage für ein unterhaltsames Game, wäre da nicht die seltsame Ausführung dieser Attacke, die dazu führt, dass Gegner in 90% der Fälle entweder übersprungen werden oder Bubsy unmittelbar davor landet und Schaden nimmt. Man paare das Ganze noch mit mangelhafter Kollisionsabfrage, die dafür sorgt, dass scheinbar mit Sicherheit getroffene Gegner euch regelmäßig Energie oder Leben kosten, und die gleich von Beginn an für völlig verzichtbare Frustmomente verantwortlich ist, und voilà: fertig ist das neue Bubsy!

Auf dem Weg durch die (insgesamt weniger als 30!) Levels können zahlreiche Wollknäuel (die von den titelgebenden Woolies gestohlen wurden) eingesammelt werden. Von diesen Knäueln sind Hunderte(!) in jedem Level versteckt. Wer sich die Arbeit antut, in einem Level alle zu sammeln, wird am Ende der Stage damit belohnt, einen Tresor öffnen zu dürfen, in dem sich NOCH mehr Wollknäuel befinden. Juhu …

Allein in diesem Level könnt ihr 600(!) Wollknäuel sammeln. Aber vielleicht solltet ihr stattdessen lieber mal wieder das Haus verlassen...

Allein in diesem Level könnt ihr 600(!) Wollknäuel sammeln. Aber vielleicht solltet ihr stattdessen lieber einfach mal wieder das Haus verlassen …

Das ist, als würde man in einem Mario-Level gezwungen, alle Münzen zu sammeln, um danach noch mehr Münzen zu erhalten – nur halt ohne Sterne oder Extraleben.

Apropos Leben: Auffällig ist, dass Bubsy jedes Level stets mit neun Leben beginnt (get it? It’s a cat! haha …) Über diese alte Redensart hinaus sind diese neun Leben auch durchaus nötig, um Bubsy-Anfängern überhaupt das Erreichen des Levelendes zu ermöglichen. Neun Leben sind aber gleichzeitig auch das Maximum, mit dem ihr neue Levels startet – ein Repertoire an Versuchen könnt ihr also nicht aufstocken (innerhalb eines Levels könnt ihr diese Marke aber sehr wohl überschreiten). Zumindest sind in jeder der repetetiv-langweiligen Stages massenhaft T-Shirts “versteckt”, die als Power-ups oder Extraleben dienen – sodass ihr zumindest keine Game-overs riskiert und schneller mit dem Game fertig seid.

Mit dem Schutzschild verträgt Bubsy einen Treffer ohne eines seiner Leben zu verlieren. Yay!

Mit dem Schutzschild verträgt Bubsy einen Treffer, ohne eines ihrer Leben zu verlieren. Yay!

Immer wieder durchbricht Bubsy die “Stille” und gibt mehr oder weniger witzige Kommentare von sich, darunter der berühmt-berüchtigte Satz “What could possibly go wrong?!”, der bereits seit dem ersten Teil in Reviews gegen das Spiel verwendet wird – und trotzdem nicht in der Mottenkiste belassen wurde. An den Sprüchen hat sich seit dem ersten Teil nicht viel geändert – das kann man mögen, muss man aber nicht. Den Entwicklern war dies dem Vernehmen nach bei Teil 2 in den 90er-Jahren dermaßen zuwider, dass sie sich gegenseitig kleine Botschaften im Code hinterließen, die diesen Umstand ihrerseits kommentierten …

Quo vadis? Man weiß es nicht…

Eckpfeiler eines guten Jump’n’Runs ist seit jeher eine vernünftige Steuerung, doch auch hier macht Bubsy leider keine allzu gute Figur. Der Rotluchs steuert sich eigenwillig bis schwammig und erinnert ein wenig an Sonics allererste Abenteuer, die allerdings die gute Ausrede haben, etwa 30 Jahre älter zu sein.

Zwar sind die einzelnen Levels überraschend lang, wiederholen sich aber in ihrem Aufbau ständig. Wo Mario-Levels ein Konzept einführen, auf diesem aufbauen und die Herausforderung so lange steigern, bis das Ende einer Stage erreicht ist, krankt Bubsy leider an Passagen, die sich teilweise 1:1 ähneln und schon beim ersten Mal keinen Spaß gemacht haben. Immerhin befindet sich praktisch alle zwölf Pixel ein neuer Rücksetzpunkt, sodass ihr im Falle eures (unausweichlichen) Todes nicht all zu viel erneut spielen müsst.

Dazu kommen unberechenbare bis schlichtweg unfaire Endgegner (eigentlich: immer derselbe Endgegner in unterschiedlichen Varianten), die einen Trial-and-Error-Ansatz praktisch unvermeidbar machen, eine so gut wie nicht vorhandene Story (was man bei einem Jump’n’Run natürlich verschmerzen könnte), ein Hauptcharakter, der auch in den vergangenen 20 Jahren nicht sympathischer geworden ist, und ein insgesamt viel zu kurzes Spiel. Wer sich überhaupt so lange mit dem Game beschäftigen möchte, hat es in 4 bis 6 Stunden durch. Das ist auch zum “Niedrigpreis” von rund 30 Euro verdammt kurz, denn auch Wiederspielwert gibt es so gut wie keinen, da es nicht nur mühsam ist, alle Woolies einzusammeln, sondern auch kaum belohnt wird.

Die Grafik ist ganz nett gestaltet - wenn das Leveldesign nicht wäre.

Die Grafik ist ganz nett gestaltet – wenn bloß das Leveldesign nicht wäre …

Um nicht nur Negatives anzuführen, sei gesagt, dass die Grafik akzeptabel und die Musikuntermalung in Ordnung ist. Anders als es in den 90ern war, zeigt der Bildausschnitt ausreichend viel der Umgebung, um euch nicht zu allzu gewagten Sprüngen ins Nichts zu verleiten. Leider enden damit aber auch schon die positiven Aspekte. Was übrig bleibt, ist bestenfalls Durchschnittsware und wird (erneut) nicht dazu beitragen, Bubsy in den Olymp der Videospiel-Maskottchen zu katapultieren. Vielleicht in 20 Jahren dann. So long, Bubsy.

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