Uncharted: The Lost Legacy

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Verschwundene Schätze, vergessene Städte, verschlungene Dschungelpfade – was kann das erste Uncharted ohne Nathan Drake?

Als das Entwicklerstudio Naughty Dog bekanntgab, dass der neueste Ableger der Uncharted-Reihe ohne den bisherigen Hauptdarsteller Nathan Drake auskommen würde, stand die Frage im Raum, ob ein solcher Titel den Vorgängern gerecht werden könnte. Nach einigen investierten Spielstunden im neuen Game, erweist sich diese Skepsis nun eindeutig als unbegründet.

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Bekannte Gesichter
Chloe Frazer und Nadine Ross, die beiden Hauptdarstellerinnen von The Lost Legacy, sind Spielern der früheren Titel ja nicht ganz unbekannt. Chloe, im Original erneut gesprochen von der großartigen Claudia Black, die SciFi-Fans aus Stargate SG-1 und Farscape ein Begriff sein dürfte, ist nach Uncharted 2 und 3 nun zum dritten Mal mit von der Partie und darf erstmals in der Hauptrolle eine ausgezeichnete Figur machen. Gemeinsam mit Nadine Ross, welche in Teil 4 eine Antagonistinnen-Rolle als Leiterin einer Privatarmee Shoreline innehatte, wandelt Chloe in The Lost Legacy auf den Spuren ihres Vaters, eines Archäologen, und sucht in bester Nathan-Drake-Manier nach dem verschollenen Stoßzahn von Ganesh. Auf den verschlungenen Dschungelpfaden eines wunderschönen Indien wandelnd, entdeckt das dynamische Duo dabei zahlreiche antike Ruinen und Artefakte und lernt auch einiges über die jeweils andere. Natürlich dürfen wie üblich auch die zahlreichen versteckten Schätze am Wegesrand nicht zu kurz kommen, die ein erneutes Durchspielen durchaus lohnen.

Immer wieder wird die idyllische Dschungelatmosphäre jedoch von Paramilitärs unterbrochen, die unter der Führung des tyrannischen Rebellen Asav ebenfalls hinter den Schätzen her sind. Doch die beiden toughen Protagonistinnen lassen sich natürlich nicht so leicht abhalten und kommen dem legendären, wie auch tief persönlichen Geheimnis von Ganesh’s Stoßzahn dabei immer näher. Und wer weiß, vielleicht treffen sie dabei auch noch auf andere bekannte Gesichter…?

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Bekannte Mechanik
Wenn Euch manche dieser Beschreibungen jetzt seltsam bekannt vorkommen, dann kommt das nicht von ungefähr. The Lost Legacy pickt sich die sprichwörtlichen Rosinen der vorangegangenen Uncharted-Teile heraus (warum spricht man hier eigentlich von „Rosinen“? Wer mag schon Rosinen?!) und verwebt sie zu einer Geschichte, die sich wie ein gigantisches Déjà-Vu anfühlt – im positiven wie auch im negativen Sinn.
Das Game spielt sich fast wie ein Add-On zu Teil 4. Die Fähigkeiten der beiden Protagonistinnen sind praktisch identisch mit Nathan Drakes Moveset, vom Kletterpickel bis zum Enterhaken, und auch die Kletterpartien über Türme, Hausfassaden und Felsen könnten aus jedem Teil der Serie kommen. Sogar Autos mit Seilwinden kommen erneut zum Einsatz. Anfänger oder Schusswaffen-Ungeübte werden sich freuen, dass das Auto-Aim Feature aus Teil 4 ebenso wieder mit von der Partie ist, wie der Extreme-Modus für Hartgesottene. Und auch ein weiterer Aspekt des Spiels ähnelt seinen Vorgängern: die großartig cineastisch erzählte, an ein Hollywood-Actionspektakel erinnernde Geschichte und die beiden witzigen, tiefgründigen und gut miteinander funktionierenden Hauptdarstellerinnen. Diesen Parallelen ist es zu verdanken, dass Nathan Drake nicht einen Moment lang vermisst wird – obwohl natürlich Anspielungen auf die Ereignisse der Vorgänger ebenfalls nicht zu kurz kommen, allerdings ohne diese zu spoilern, solltet ihr sie noch nicht gezockt haben. Gleichzeitig fällt aber auf, dass das Spiel ein wenig nach „Schema F“ funktioniert und sich eben reichlich an all den Mechaniken bedient, die schon die anderen Teile der Reihe so gut gemacht haben – leider auch ohne wirkliche Überraschungen oder Neuerungen zu bieten.

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Never change a working system
Selbstverständlich ist das Kritik auf sehr hohem Niveau, denn auch The Lost Legacy ist wieder eine wahrhafte Tour-de-Force mit dramatischen, witzigen und actiongeladenen Sequenzen und obwohl eure Handlungsfreiheit durch den linearen Spielverlauf natürlich eingeschränkt ist, gelingt es den Entwicklern von Naughty Dog einmal mehr, richtig brenzlig wirkende Situationen heraufzubeschwören, sodass ihr euch immer wieder fühlen werdet, als wärt ihr gerade noch mit heiler Haut davon gekommen.
Um doch noch eine kleine Neuerung reinzupacken, wurde versucht, mithilfe einer für ein Uncharted-Spiel verhältnismäßig großen Karte, so etwas wie ein Open-World Gefühl aufzubauen. So dürft ihr etwa in einem großen Dschungelgebiet die Reihenfolge, in der ihr die dort in der Landschaft verteilten Türme untersucht, selbst bestimmen und könnt in dem Areal auch so manch anderes Geheimnis entdecken. Aufmerksame Schatzsucher können so sogar ein Schmuckstück erspielen, welches das Auffinden weiterer Schätze vereinfacht.

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Ein Wermutstropfen ist die Länge des Spiels. Mit bloß neun Kapiteln ist The Lost Legacy deutlich kürzer als A Thief’s End, welches mit 24 Kapiteln (inkl. Prolog und Epilog) zu Buche schlug. In ihrer Länge sind die einzelnen Kapitel gleich oder sogar etwas umfangreicher als jene des unmittelbaren Vorgängers und natürlich darf nicht vergessen werden, dass der neueste Ableger nicht als Vollpreis Titel gehandelt wird. Dennoch wäre mehr Umfang durchaus wünschenswert gewesen.

Alles in allem ist der neueste Teil in weiten Passagen seinen Vorgängern zwar sehr ähnlich, aber gleichzeitig auch genauso empfehlenswert. Im Westen (bzw Osten) nichts Neues – aber das ist auch in Ordnung so.

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