Ein Jahr mit Oculus Rift und immer noch begeistert

oculus riftVirtual Reality? Völlig over-hyped, haben sie gesagt. Wird nie was, kann man nicht länger als zehn Minuten am Stück spielen, will doch niemand, haben sie gesagt. Nach fast einem Jahr mit Oculus Rift kann ich für mich behaupten: VR ist tatsächlich der erhoffte Gamechanger und fasziniert mich immer noch wie am ersten Tag. Ein Erfahrungsbericht von einem, der auszog, die VR-Kritiker Lügen zu strafen.

Über das Potenzial von Virtual Reality im Massenmarkt wird nach wie vor gestritten. Kritiker verweisen gerne auf die teuren Anschaffungskosten und die im Vergleich zum Gesamtmarkt noch geringen Marktanteile. Auf der anderen Seite stehen begeisterte VR-Gamer, die verdammt viel Spaß mit VR haben. In meinem Fall schon über 500 Stunden Spaß.

Tatsache: Gut 500 Stunden habe ich mittlerweile auf meinem VR-Tacho. Das weiß ich deshalb, weil Elite Dangerous die genaue Spielzeit mitloggt. David Brabens Werltraumsimulation ist das VR-Game, in das ich mit Abstand am meisten Zeit investiere. 460 Stunden, jede einzelne in VR, habe ich alleine in Elite Dangerous verbracht. Und ganz ehrlich: Ich könnte dieses Game nicht mehr auf einem Monitor spielen. Erst in VR kommt die Größe der Raumstationen und Himmelskörper so richtig zur Geltung. In Raumkämpfen Gegner durch Hinschauen anvisieren – unbezahlbar. Und selbst das spielerisch an sich öde Buggyfahren auf Planeten und Monden ist in VR ein ungeahnt intensives Erlebnis. In meiner Erinnerung war ich auf all diesen Planeten. Ich bin nicht vor dem PC gesessen, ich war wirklich da, wo nie zuvor ein Mensch gewesen ist …

VR Elite Dangerous

Elite Dangerous am Monitor und in VR sind wie zwei unterschiedliche Spiele. „Wirklich“ im Cockpit seines Raumschiffs zu sitzen – wer das einmal erlebt hat, kann nicht mehr ohne VR spielen.

Alles mit Cockpit funktioniert in VR prima
Es sind aber nicht nur Weltraumspiele. Alle möglichen Genres funktionieren in VR besser. Direkt über den Automaten gebeugt, macht Pinball FX2 gleich mehr Spaß. Das Taktik-Action-Game Landfall erinnert mich an die Schlachten mit Airfix-Plastiksoldaten in meiner Kindheit – nur, dass die Soldaten jetzt vor meinen Augen förmlich zum Leben erwachen. Flugsimulationen, Autorennen – alle Spiele mit Cockpit funktionieren in VR prima. Wie gerne würde ich mein 20 Jahre jüngeres Ich eine Platzrunde in einer Flugsimulation wie DCS World drehen lassen.

Es muss vor rund 20 Jahren gewesen sein, als ich erste Ansätze von Virtual Reality das erste Mal erleben durfte. Mitte der 90er zeigte Commodore auf einer Computermesse in Wien einen Flugsimulator in VR, der auf einem Amiga lief. Die Grafik war pixelig, der Helm schwer und die Umsetzung der Kopfbewegungen träge. Und nach fünf Minuten war alles vorbei. Ich habe trotzdem den halben Messetag in der Schlange verbracht, um wieder und wieder zu spielen, so fasziniert war ich. Hätte man mir damals gezeigt, was mit Vive, Rift und PSVR heute für jeden daheim möglich ist, ich wäre wahrscheinlich ausgeflippt.

VR Star Trek: Bridge Crew

Ubisofts Star Trek: Bridge Crew versetzt euch und eure Freunde auf die Brücke eines Föderations-Raumschiffs.

Seeing is believing
Was für ein Gamechanger VR tatsächlich ist, merke ich jedes Mal, wenn ich meine Rift VR-Neulingen präsentiere. Selbst meine sonst nicht gerade technikbegeisterten Eltern waren beeindruckt, wie realistisch eine Partie Tischtennis in VR wirken kann. Auch ich als alter VR-Hase habe nach wie vor regelmäßige Wow-Momente. Ich glaube ja immer noch: Die meisten Virtual-Reality-Skeptiker haben VR noch nie ausprobiert, sonst würden sie das Potenzial erkennen.

Was VR derzeit noch ein wenig fehlt, sind mehr „große“ Games, die man für lange Zeit am Stück spielen kann. Ich habe diesbezüglich große Hoffnungen auf Star Trek: Bridge Crew, das für mich neben Elite Dangerous eine weitere Killer-Applikation werden könnte. Zusammen mit Freunden ein Schiff der Sternenflotte kommandieren – wie geil ist das denn?

Resident Evil 7 VR

VR bedeutet Immersion – und das nicht nur im Weltall, wie auch anhand von Spielen wie dem neuesten Ableger der Resident Evil-Reihe schnell deutlich wird.

Fazit & Ausblick
Auch nach einem Jahr hat VR für mich nichts an seiner Faszination verloren. Natürlich: Noch ist VR eine Nische, darüber können auch die erfreulichen Zahlen von PlayStation VR (bald eine Million Stück verkauft) nicht hinwegtäuschen. Aber die Nische wird kontinuierlich wachsen. Die Headsets werden leichter und preisgünstiger werden. Und irgendwann werden sie kabellos funktionieren, ganz ohne PC oder Konsole im Hintergrund. Und das wird dann der Punkt sein, an dem VR vom Nerd-Spielzeug zum echten Massenphänomen aufsteigen wird.

Kritiker mögen das Platzen der VR-Blase regelrecht herbeisehen. Darauf können sie aber lange warten. VR wird nicht einfach mangels Interesse wieder verschwinden, wie zuletzt 3D im Heimkino. VR is here to stay.

Und jetzt entschuldigt mich bitte. Ich muss wieder ins Cockpit meiner Asp Explorer und ein paar Planetensysteme am Rand der Galaxie erkunden …

Manfred HuberManfred Huber ist langjähriger Technikjournalist und bloggt jetzt unter godoculus.at über Virtual Reality, Games & Tech-News.

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