Yooka-Laylee

Es ist fast 20 Jahre her, dass ein legendäres Duo, bestehend aus einem Bären und einer Straußendame, das virtuelle Licht der Welt erblickte und Millionen Spieler weltweit in seinen Bann zog. Die Rede ist natürlich von Banjo und seiner frechen Partnerin Kazooie. Trotz einiger Fortsetzungen und Re-Releases ist es nun schon seit langer Zeit ruhig um die beiden, doch das kreative Team hinter den zwei Videospiel-Ikonen beschert uns in Kürze endlich einen spirituellen Nachfolger.

Die Entwickler zeigen uns die Parallelen auch in diesen Promoshots auf...

Alte Zeiten – ein sehr ähnlicher Promoshot existiert auch für Yooka-Laylee

Ein historischer Ausflug
Warum denn eigentlich kein direkter Nachfolger? Nun, um die Geschichte von Yooka-Laylee zu erzählen, kommt man nicht drum herum, ein bisschen weiter auszuholen. Interessierten LeserInnen ist vermutlich bekannt, dass Banjo-Kazooie geistiges Eigentum von Rare, Ltd. ist und dass diese Firma, einst Second Party Hersteller von Nintendo, im Jahre 2002 den Besitzer wechselte und an Microsoft verkauft wurde. Auch danach veröffentlichte die britische Firma Genreperlen wie Kameo: Elements of Power oder die Viva Piñata-Titel, doch in den vergangenen Jahren wechselte der Fokus auf Xbox 360 Kinect-Spiele, wie Kinect Sports. Gerüchten zufolge wünschten sich einige der Entwickler, wieder das zu machen, was sie vermutlich am besten können: „Collectathon“-Platforming-Games (oder simpel: Sammel-Jump’n’Runs).

Ein paar der besten Köpfe Rares verließen also das Unternehmen, um sich unter einem neuen Namen selbstständig zu machen: Playtonic Games. Die Nutzungsrechte für Bär und Vogel blieben bei Rare.

Vergleicht man dieses Bild mit dem Cover von Banjo-Kazooie werden zahlreiche Parallelen deutlich

Vergleicht man dieses Bild mit dem Cover von Banjo-Kazooie werden ebenfalls zahlreiche Parallelen deutlich

Kick-Start me up
Die eigentliche Historie von Yooka-Laylee beginnt im Jahr 2015 auf der Crowd-Funding Plattform Kickstarter. Zwar hatte sich das Playtonic-Team bereits mit Eigenkapital an die Entwicklung gemacht, aber zur Veröffentlichung eines kompletten Games waren zusätzliche Investments nötig. Um potentiellen Unterstützern einen Eindruck zu bieten, wie das Spiel aussehen könnte, hatten sie sich bereits im Vorfeld eindrucksvoll bemüht, den Fans das Gefühl der Retro-Plattformer wiederzugeben, ohne angestaubt oder altmodisch zu wirken.

Zu diesem Zweck erschuf Banjo-Kazooie Charakter-Designer Steven „Steve“ Mayles ein neues einzigartiges Duo, mit dem Hauptaugenmerk darauf, die beiden möglichst vielseitig in einem 3D-Jump’n’Run einsetzen zu können. Das langzüngige Chamäleon Yooka und seine apart-freche Begleiterin, die Fledermausdame Laylee, waren geboren. Als die Kickstarter-Kampagne am 1. Mai 2015 begann, konnte man somit nicht nur ein bereits fertig designtes Hauptdarsteller-Duo vorweisen, sondern auch bereits erste Eindrücke eines Levels und sogar erste Hörproben der Musik geben. Die ursprünglich veranschlagte Unterstützungssumme von 175.ooo Britischen Pfund wurde innerhalb von 40 Minuten erreicht und wuchs bis Ende der Unterstützungsperiode auf mehr als 2 Millionen an. Kein Wunder, liest sich das Entwickler-Team hinter Yooka-Layle doch wie ein who-is-who der digitalen Kindheitserinnerungen. So sind neben Steve Mayles auch Chris Sutherland und Steven Hurst mit von der Partie, die für Spielmechaniken und Leveldesign von Banjo-Kazooie und der Donkey Kong Country-Reihe zuständig waren sowie zahlreiche andere Programmierer, Designer und Autoren, die sich für Rares größte Erfolge verantwortlich zeichnen.
Auch Ohrwurmqualität vom Feinsten garantieren die Komponisten David Wise (Donkey Kong Country-Serie), Steve Burke (Kameo: Elements of Power) und Grant Kirkhope, das Mastermind hinter den Banjo-Kazooie Tunes (*summt “Freezeezy Peak”*).

Yooka_and_Laylee_Sitting

I’m Batwoman!
Da Yooka und Laylee (im Gegensatz zu Banjo – aber das ist eine andere Geschichte …) explizit für einen 3D-Plattformer entwickelt wurden, lag ein besonderer Fokus von vornherein auf dem Moveset der beiden Protagonisten. So kann sich Yooka beispielsweise zu einem Ball zusammenrollen und rasant herumkugeln, mit seiner langen Zunge Gegenstände heranholen oder sich über Abgründe schwingen. Sein langer Schweif kann zum praktischen Rundumschlag eingesetzt werden oder dazu, um ihn wie eine Sprungfeder in die Höhe zu katapultieren.
Fledermausdame Laylee verfügt selbstverständlich über Flugmöglichkeiten und hilft dem Chamäleon zum Beispiel dabei, größere Abgründe zu überwinden oder mit ihrem Ultraschall-Schrei spezielle Schalter zu aktivieren.
Natürlich ist auch schwimmen kein Problem und beim Tauchen weiß sich das Duo gekonnt vor dem Ertrinken zu schützen: mit einem speziellen Unterwasser-Move, mit dem die beiden eine Luftblase um sich herum erzeugen können – untermalt von einem Furzgeräusch …
Auch die aus den Banjo-Spielen beliebten Verwandlungen sorgen bei Yooka-Laylee wieder für den einen oder anderen Schmunzler. Bestätigt sind bisher eine bizarre Blumenform und ein praktischer Schneepflug. Hier werden natürlich Erinnerungen an den Schamanen Mumbo-Jumbo wach, der Banjo und Kazooie im Laufe ihrer Abenteuer schon in einen Kürbis, eine Sprengkiste oder eine Waschmaschine verwandelte.

Die Toybox erinnert optisch in ihrem spartanischen Spiel an Pixelgrafiken.

Die Toybox erinnert in ihrem spartanischen Design optisch an Pixelgrafiken

Spiel(zeug)kiste
Kickstarter Unterstützer durften sich in der sogenannten Toybox schon ein wenig mit dem neuen dynamischen Duo Yooka und Laylee vertraut machen. Diese Toybox ist ein spezieller Minilevel, in dem ihr in bewusst simpel gehaltener, von geometrischen Formen dominierter, Optik die neuen Collectibles, sogenannte Quillies und Pagies, einsammeln könnt. Zusätzlich wurden ein paar Roboter-NPCs eingebaut, die euch die Steuerung näherbringen und mit ihren amüsanten Dialogen beweisen, dass Yooka-Laylee einen doppelbödigen Humor mitbringt, der deutlich an Banjo und Co. erinnert.

Die Toybox+, eine erweiterte Edition, gibt auch einen ersten Einblick auf die Gegner im Spiel: die sogenannten Corplets strömen in Scharen auf euch ein und helfen, das Moveset, das euch die Entwickler in dieser Vorab-Version zur Verfügung stellen, zu verinnerlichen. Die fertige Fassung wird noch zahlreiche weitere Moves mit sich bringen.
Die schlichten Rätsel zeigen simpel, aber wirksam, in welche Richtung die Reise geht und machen deutlich Lust auf mehr. Wer es jetzt nicht mehr erwarten kann, hat übrigens die Möglichkeit, das Game vorzubestellen und die Toybox sofort runterzuladen. (Lest zuerst den Artikel fertig ;) )

Tribalstack Tropics

Die Dschungelwelt “Tribalstack Tropics” bietet eine wunderbare Weitsicht und detaillierte Umgebungen

Zeig mir die Welt
In Sachen Optik ist der minimalistische Stil der Toybox selbstverständlich kein Vergleich mit den detaillierten Umgebungen, die uns im fertigen Spiel erwarten. In Screenshots und Trailern kann man neben einem saftig-grünen Dschungel auch eine mystische Eiswelt, ein riesiges Casino und eine Steampunk-artige Fabrik bestaunen. In letzterer residiert der Nadelstreifanzug-tragende Oberbösewicht Captial B, dessen teuflische Pläne dringend durchkreuzt werden müssen. Auch sein Handlanger Dr. Quack, eine Ente, die in einem rollenden Kaugummiautomaten steckt, führt offensichtlich nichts Gutes im Schilde …
Das Design der Charaktere ist herrlich komisch. Neben den bereits erwähnten gibt es zum Beispiel auch eine Schlange namens Trowzer, die ihren Körper durch eine kurze Hose windet. Wer des Englischen mächtig ist, dürfte hier wohl eine Rare-typische, doppelbödige Anspielung vorfinden.
Komplettiert wird der Reigen der bisher bekannten Charaktere durch Rextro Sixtyfourus, einen mit extra wenig Polygonen designten Dinosaurier, in dessen Spielhalle ihr in acht Minispielen Play Coins erzocken könnt – egal ob alleine oder mit bis zu drei Freunden im lokalen Multiplayer. Auch ein lokaler Koop-Modus für die Kampagne wurde im Kickstarter-Projekt angekündigt. Dieser scheint im Prinzip die Verwirklichung des geplanten „Bottles‘ Revenge“-Modus aus Banjo-Tooie zu sein: Der zweite Spieler übernimmt das „Bee Team“ und kann so neben Quillies auch Schmetterlinge einsammeln, um die Lebensenergie aufzufüllen.
Durch das Sammeln von Pagies schreitet die Hauptstory voran. Im Spielverlauf könnt ihr diese Buchseiten dann eintauschen und so neue Levels freischalten oder bereits vorhandene um neue Bereiche erweitern. Und auch nach dem ersten Durchspielen ist für Nachschub gesorgt, da bereits zusätzliche Downloadinhalte angekündigt wurden.

Glitterglaze Glacier

Die Schneewelt, Glitterglaze Glacier, hat auch ein mysteriöses Schloss zu bieten. Wer oder was da wohl drin ist?

This ain’t for U
Das Spiel erscheint Mitte April vorerst für Xbox One, PS4, PC (Steam), Linux und Mac. Doch was ist mit der Wii U? Leider Fehlanzeige! Obwohl eine Umsetzung für Nintendos (noch) aktuelles Flaggschiff im Kickstarter-Projekt bei Erreichen einer Million  ̶D̶̶o̶̶l̶̶l̶̶a̶̶r̶  Pfund vorgesehen war, haben sich die Entwickler entschlossen, diese Version zu streichen. Zu den Gründen zählen wohl neben der vergleichsweise kleinen Spielerbasis vor allem das nahende Zyklusende der Konsole mit Erscheinen der Switch am dritten März, für die eine Umsetzung in der nahen Zukunft geplant ist. Nichtsdestotrotz gibt es Unmut bei manchen Unterstützern, die sich eine Wii-U-Version gewünscht hätten. Playtonic ermöglicht den Betroffenen die Rückerstattung der bezahlten Beiträge oder das Umsatteln auf eine der anderen Versionen. Es darf als Ironie des Schicksals betrachtet werden, dass Yooka und Laylee genau auf dem Nachfolger jener Konsole, auf der ihre Vorgänger groß wurden, fürs Erste fehlen werden.

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