ERSTEINDRUCK: Nintendo Switch

Nintendo Switch

Nintendo ist anders. Schon vor Jahren hat man das technische Wettrüsten aufgegeben, das Sony und Microsoft mit ihren Konsolen betreiben, und setzt nun stattdessen auf frische Konzepte, die mal besser (Nintendo DS, Wii) und mal schlechter (Wii U) aufgehen, aber immer versuchen, dem Gaming frischen Wind einzuhauchen. Genau das macht es aber so schwierig, Nintendo-Hardware einzuschätzen. Reicht es bei der Konkurrenz oft, sich Trailer und Screenshots anzusehen, um einen Eindruck von der gesteigerten Leistung zu bekommen, die dort eine neue Generation vor allem ausmacht, ist es bei Nintendo kniffliger. Natürlich kann man auch hier anhand eines Videos sagen: „Okay, das sieht nicht ganz so gut aus wie bei der Konkurrenz“, oder: „Gut, das sieht zumindest besser aus als bei der Vorgängerkonsole“, aber das eigentliche Spielgefühl, das Nintendo deutlich in den Vordergrund rückt, kann man so nicht abschätzen. Nintendo-Hardware muss man erst angreifen, um sie einschätzen zu können. Umso wichtiger ist, dass wir nun erstmals die Switch in die Hand nehmen durften und so genauer sagen können, was auf uns zukommt.

Nintendo Switch

Ein wahrer Hybrid
Beginnen wir mit den schon bekannten Fakten: Die Switch ist ein Hybrid aus Handheld und Konsole und insofern eine Art Evolution der Wii U, bei der es ja meist schon möglich war, auf dem Tablet-Controller zu spielen, ohne den Fernseher aufzudrehen. Das Problem dabei: Da die eigentliche Konsole noch immer beim Fernseher stand und die Grafik auf den Controller übertragen werden musste, war es nicht möglich, sich weit von der Wii U zu entfernen, ohne dass es zu Übertragungsproblemen kam. Bei der Switch wird deshalb genau andersrum verfahren: Die eigentliche Konsole steckt im Tablet und kann so als Handheld verwendet werden. Will man hingegen am Fernseher spielen, steckt man sie in eine Docking Station und (fast) ohne Verzögerung geht es am TV weiter.

Nintendo Switch

Dieser Dualismus der Konsole führte zu zwei recht interessanten Beobachtungen, als wir das erste Mal die Hardware in Augenschein nehmen durften: Erstens wirkt die Konsole an einem TV-Gerät erstaunlich klein. Wir sprechen hier zwar nicht von NESmini-Dimensionen, aber im Vergleich zur Konkurrenz ist der Größenunterschied deutlich zu bemerken. Aber zweitens: Nutzt man die Konsole als Handheld, wirkt sie hingegen erstaunlich groß; zwar kann man hier nicht unbedingt mit Tablets mithalten, aber gerade im Vergleich zu Vita und 3DS hat man hier einen klaren Größenvorteil. Am ehesten in Sachen Größe vergleichen kann man das System mit dem Wii U Gamepad, wobei man hier ein paar Dinge festhalten muss: Die Switch ist ein wenig kleiner als das Gamepad, allerdings ist der Screen größer, da auf der Konsole keinerlei Steuerelemente vorhanden sind, die auf dem Vorgänger noch wertvollen Platz verbrauchten. Außerdem wirkt die Switch weniger nach Plastikspielzeug als das Wii U Pad.

Nintendo Switch Controller

Innovatives Controller-Konzept
Apropos Steuerelemente – ohne diese geht’s natürlich nicht. Mitgeliefert werden zwei sogenannte Joy-Cons, die sozusagen jeweils einen halben Controller darstellen, aber je nach Spiel auch alleine ausreichen (und so Multiplayer mit der Standardausstattung der Konsole ermöglichen). Nicht ausprobieren konnten wir leider, wie sie funktionieren, wenn sie in einer speziellen Halterung stecken, dem Joy-ConGrip, wodurch sie zu einer Art Gamepad werden. Was wir allerdings testen konnten, waren die beiden anderen Möglichkeiten – und auch hier war unsere Meinung geteilt. In den drei Minispielen von 1-2-Switch (das leider nicht der Konsole beiliegt, auch wenn es dafür prädestiniert wäre, die Schiene von Wii Sports oder Nintendo Land fortzusetzen), die wir ausprobieren konnten, bekommt jeder Spieler einen der Controller-Teile in die Hand und nutzt diesen im Stil der Wii-FBs zum Zielen (in einem Cowboy-Minispiel, in dem man das Gegenüber treffen musste, bevor er dies selbst schaffte) oder zum Melken von Kühen (ja, das ist so schräg, wie es sich anhört).

Nintendo Switch Controller

Dabei zeigt sich rasch: Nintendo hat erstaunlich viele Buttons und Funktionen auf den Joy-Cons untergebracht, aber aufgrund ihrer doch recht geringen Größe fühlen sie sich schon in einer normalen Hand unangenehm winzig und überbelegt an. Gut, dass die Spiele nur einen oder zwei Buttons benötigten, denn so blieb uns ein Umgreifen erspart, bei dem wir wohl völlig falsch gelandet wären. Für die Minispiele ist es ausreichend, auf Dauer würden wir wohl so nicht spielen wollen. Gänzlich anders war der Eindruck, als wir sie danach in Mario Kart im Handheld-Modus seitlich an die Switch angebracht benutzten, denn hier fühlten sie sich in Sachen Größe genau richtig an. Als „genau richtig“ empfanden wir auch das Gewicht dieser Kombo – zwar wurde beim Testen die Konsole durch Sicherheitsmechanismen schwerer gemacht, aber dennoch haben wir das Gefühl, dass wir in dieser Form auch längere Spielsessions problemlos durchhalten werden.

Nintendo Switch Controller

Und noch mehr Neuerungen
Zwei spannende Features sollen zum Abschluss noch erwähnt werden: Die Möglichkeit mehrere Switch-Konsolen adhoc via W-Lan für Multiplayer zu nutzen hat großes Potenzial, wie wir bei Mario Kart sehen konnten. Zwar kann man natürlich auch nach wie vor im Splitscreen spielen, doch wenn jeder mit seinem Tablet in der Runde sitzt und fährt, macht es fast noch mehr Spaß. Ob sich diese Möglichkeit allerdings durchsetzt, wird sich weisen – immerhin muss man dann erst seine Konsole zu Freunden mitnehmen, und die Switch ist doch ein anderes Kaliber als ein 3DS. Wirklich positiv überrascht waren wir hingegen vom HD Rumble, das das klassische Vibrations-Feature auf ein ganz neues Level bringt. Der Versuch, zu schätzen, wie viele Kugeln sich in einer geschlossenen Box befinden, einfach nur, indem man sie (via Joy-Con) bewegt und die Bewegung der Kugeln erfühlt, wäre mit dem alten Rumble unmöglich gewesen. Jetzt spürt man allerdings Feinheiten wie das Rollen und jede Berührung mit der Box. LEICHT ist es deswegen noch lange nicht, aber mit Fingerspitzengefühl durchaus möglich. Eine spannende Technologie, doch die Frage bleibt, ob es Nintendo gelingen wird, dieses Feature auch sinnvoll in größere Spiele einzubauen.

Nintendo Switch

Fazit
Nachdem die Wii U hinter ihren Möglichkeiten geblieben ist, legt Nintendo mit der Switch wieder ordentlich nach. Zwar gibt es nicht den von vielen Fans erhofften großen Hardwareleistungssprung, der Nintendo wieder zu Sony und Microsoft aufrücken lassen würde, aber erneut interessante Konzepte. Doch genau hier stecken auch die Probleme mit der neuen Konsole: Typisch für die letzten Nintendo-Konsolen, müssen dies nämlich erstmal sinnvoll genutzt werden. HD Rumble ist ein interessantes Feature, aber man muss es auch in ein Spiel einbauen. Eine spontane Mario Kart-Session im lokalen W-Lan? Geht nicht ganz so spontan, weil wohl kaum jemand die Konsole „einfach so“ mitnimmt. Für mich persönlich der größte Pluspunkt – und auch eindeutig jener, der am besten funktioniert – ist allerdings der Schritt, aus der Switch sowohl Handheld als auch Standkonsole in einem zu machen. Der Übergang funktioniert fließend und problemlos. Kennt ihr das Problem, im Urlaub nicht weiterspielen zu können, ohne die ganze Konsole mitzuschleppen? Müsst ihr euren Fernseher mit eurer besseren Hälfte teilen und normalerweise aufhören zu spielen, wenn die Lieblingssendung anfängt? Diese Probleme sind jetzt tatsächlich keine mehr – Switch aus der Docking-Station nehmen, Joy-Cons anbringen, weiterspielen. Zumindest, sofern euch der Strom nicht ausgeht, denn die Akkulaufzeit ist natürlich beschränkt. Ob dieses Feature für einen selbst sinnvoll ist, hängt aber natürlich von den persönlichen Lebensumständen und Spielgewohnheiten ab. Wer ohnehin nur auf dem Fernseher spielen will und kann, und aus Prinzip keine Handhelds nutzen möchte, kann diesem Hybriden vermutlich weniger abgewinnen.

Geschrieben von Florian Scherz

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