Grim Fandango Remastered

Die Geschichten rund um das Leben nach dem Tod, das Jenseits und den Sensenmann müssen neu geschrieben werden. Tim Schäfers damalige Adventure-Perle rund um das “Leben danach” beglückt uns im Remaster-Gewand. Ihr glaubt, Adventures sind tot? Bei Grim Fandango sieht die Sache ganz anders aus.

Manche von euch werden Grim Fandango vielleicht noch aus finsterer Vergangenheit kennen. Diese Vergangenheit, in der die Jahreszahlen noch mit einer eins am Anfang geschrieben wurden, in der Prozessoren noch in MHz dachten und 1 GB noch als 1024 MB bezeichnet wurde. In diese Zeit konnte man Grim Fandango als Adventure-Meilenstein bezeichnen – hochgelobt, war das Game aber dennoch ein zweischneidiges Schwert.

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Dieser orange Typ ist Glottis – ihr werdet ihn noch lieben lernen

Der Titel war eines der ersten Adventures, die den Sprung in die dritte Dimension wagten. Durch diese Umstellung wurde die Point&Click-Steuerung über den Haufen geworfen. Ab sofort kontrollierte man den Charakter mit den Cursor-Tasten (und Tank-Steuerung) durch die 3D-Locations. So gut wie die Story von Grim Fandango auch war, so schlecht funktionierte dadurch das Gameplay. Jetzt aber genug von diesen “Früher, als ich noch ein kleiner Junge war”-Geschichten. Ab jetzt konzentrieren wir uns auf die Grim Fandango Remastered Version.

Warst du zu Lebzeiten auch immer schön artig?
Manuel “Manny” Calavera ist ein Sensenmann. Er holt die verstorbenen Seelen aus dem Reich der Lebenden und verkauft ihnen eine Reise ins sagenumwobene Jenseits. Normalerweise dauert die Durchquerung der Unterwelt vier Jahre. War der oder die verstorbene ein (verdammt) guter Mensch, ist es jedoch möglich, die Unterwelt in nur vier Minuten zu durchqueren. Hierzu wird aber ein Zugticket der Linie 9 benötigt. Irgendwie wird Manny allerdings das Gefühl nicht los, dass mit den Kunden und den Zugtickets falsches Spiel getrieben wird. Ja, nicht nur im Reich der Lebenden wiehert der Amtsschimmel.

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Was es hier wohl alles zu entdecken gibt?

Warum sollte ich das mit dem machen?
Das Gameplay orientiert sich an typischen Adventures. Für PlayStation-Spieler fällt durch die dritte Dimension fällt das altbekannte Fadenkreuz mit Einblendungen von interessanten Gegenständen beim Überrollen mit der Maus flach. Aus ungeklärten Gründen hat die PC-Version jedoch einen Cursor spendiert bekommen. In Grim Fandango Remastered klappert ihr mit Manny die einzelnen Räume ab. Hier wurde die Steuerung stark verbessert. Warum nicht auch die Kontrolle des Fahrzeugs, mit dem Manny gelegentlich herumdüst, verbessert wurde, wissen nur die Götter. Wer mit dem verbesserten Gameplay nichts anfangen kann, der stellt in den Optionen die altbekannte Tank-Steuerung (viel Glück) ein.

Spaziert ihr durch die einzelnen 3D-Areale, solltet ihr Calaveras Kopf immer im Augenwinkel behalten. Gibt es was Interessantes zu sehen, dreht Manny diesen nämlich in Richtung des Gegenstandes oder der Person. Hilfreiches Zeugs verstaut Mr. Calavera in seiner überaus geräumigen Jackentasche. Man weiß ja nie, wann man all den Kram noch brauchen kann. Beobachtet die Geschehnisse aufmerksam. In vielen Ereignissen sind Lösungsansätze für die verschiedensten Rätsel verborgen. Die Dialoge sollten ebenfalls genossen werden. Sie sprühen nicht nur vor Wortwitz, in ihnen verbergen sich ebenfalls viele Rätsel-Hinweise.

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Wenn er Augen hätte, könnte sein Blick sicher töten

Wow, Manny. Wo hast du denn diesen schicken Anzug her?
Optisch bietet Grim Fandango Remastered qualitative Durchschnittskost. Leider wurde darauf verzichtet, das Ganze in 16:9 umzuwandeln. Hier muss man sich mit 4:3 und Balken auf der Seite zufrieden geben. Das Bild kann zwar auf 16:9 gestreckt werden, so wirklich gut sieht das aber nicht aus. Zockt ihr auf PS Vita, machen die Streifen an den Seiten den schon kleinen Screen noch kleiner.

Grafisch wurde der Titel solide in HD umgesetzt. Leider springen einem viel zu oft verschwommene Texturen ins Auge. Hier wäre sicher mehr drin gewesen. An den 3D-Modellen der Charaktere wurde auch ordentlich geschraubt. Treppchen-Effekte bleiben hier aber dennoch nicht aus. Wollt ihr einen Grafikvergleich wagen? Schaltet einfach nahtlos zwischen Original- und Remaster-Version hin und her. Die Zwischensequenzen sind zwar schick anzusehen, haben aber mit vermehrter Fragmentbildung zu kämpfen.

Akustisch spielt Grim Fandango Remastered noch in der Oberliga. Die Musikstücke sind unterschiedlich ausgefallen und bieten von Bebop über Big Band bis zu Jazz und traditionellen mexikanischen Stücken eine breit gefächerte Palette. Das Highlight ist jedoch die Sprachausgabe: Jeder Charakter hat unzählige Textzeilen, die in Englisch und Deutsch verfügbar sind. Liebhaber deutscher Synchronisation erwartet sogar ein spezielles Zuckerl: Manny Calavera wird von keinem Geringeren als Tommi Piper (deutsche Synchronstimme von ALF oder Tony Danza) gesprochen.

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Dieser Balboa-Verschnitt ist Mannys “liebster” Kollege ;)

Vergiss nicht zu speichern!
Noch was Wichtiges am Rande: Grim Fandango Remastered speichert nicht automatisch. Regelmäßiges Sichern ist hier allerdings sehr wichtig. Bei meiner Testsession auf PS4 ist das Game nämlich einfach mal steckengeblieben und es ist kaum lustig, einige Stunden Spielzeit zu verlieren. Da es bereits mehrere Update-Dateien gibt, gehe ich allerdings davon aus, dass dieses Problem schon behoben wurde. Kauft ihr die PS4-Version, steht euch die PS Vita-Version (und umgekehrt) ebenfalls zum Download bereit. Besitzt ihr PS4 und PS Vita, nutzt ihr also einfach das Cross-Save-Feature, um plattformübergreifend immer euren aktuellen Spielstand parat zu haben.

 

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