SPECIAL: Quadratdenker – Los Santos, die Stadt der Gleichberechtigung

Es ist wieder mal soweit, es gibt erneut eine Diskussion über Frauenfeindlichkeit – oder im konkreten Fall genauer: Gewalt gegen Frauen in Videospielen. Anlass diesmal war die Pressemitteilung einer großen australischen Kaufhauskette, in der verlautbart wurde, dass man sich entschlossen habe, GTA V aus den Regalen zu nehmen. Es hätte zahlreiche Beschwerden über den Inhalt des Spiels, im Besonderen die ausufernde Gewalt gegenüber Frauen, gegeben und darauf hätte man reagieren müssen.

Nun, nehmen wir mal um der Diskussion Willen an, die ganze Sache sei nicht nur ein zynischer Werbegag besagter Kette, um in die Presse zu kommen, und akzeptieren, dass „zahlreiche“ Menschen sich im Speziellen an der Gewalt gegen Frauen stoßen, in einem Spiel, das uns dazu zwingt (wenn man in der Handlung weiterkommen will), einen Mann aufs Übelste zu foltern, das uns erlaubt, Passanten auf der Straße zu überfahren oder totzuprügeln, ja, in dem wir professionelle Verbrecher, die vor nichts zurückschrecken, verkörpern. Kann jemand den Widerspruch entdecken?

GTA V Folter

Nur um eins klarzustellen: Gewalt gegen Frauen ist in GTA V sehr wohl zu finden, auch ohne lange suchen zu müssen. Und zwar genauso wie Gewalt gegen Männer, Hunde, Pensionisten, Kinder, Autos und, wenn sie vorkommen würden, Marsmännchen mit Antennen auf den Köpfen. Wir reden hier über ein überaus gewalttätiges Spiel, keine Frage – nicht umsonst hat es überall auf der Welt die höchste Altersfreigabe, die es in den jeweiligen Ländern gibt – und hier einfach eine besondere Form der Gewalt herauszufiltern und an den Pranger zu stellen, finde ich, gelinde gesagt, ein kleines bisschen heuchlerisch.

Jedem realistischen Menschen ist sehr wohl bewusst, dass reale Gewalt gegen Frauen ein absolut ernstzunehmendes Problem darstellt, und auch die Argumentation, frauenfeindliche Darstellungen in Unterhaltungsmedien wären zu verurteilen, einfach weil dadurch die seit vielen Generationen verinnerlichte Ungleichheit, die endlich langsam, aber unaufhaltsam aufbricht, gebremst wird, kann ich nachvollziehen. Nur leider ist GTA V ein denkbar ungeeignetes Ziel dafür. Ein Spiel, in dem jede Form der Gewalt, die man sich vorstellen mag, dermaßen zelebriert wird, nach Meinung vieler sogar karikiert wird, sollte jedem, der es spielt, bewusst machen, dass es hieraus nichts zu lernen gibt. Keine unterschwelligen Messages oder versteckte Agenden, nur ein Ventil, um mal die sprichwörtliche “Sau” rauslassen zu können.

GTA V Violence

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